Kategorie: Vitalität

Bewegung macht Spaß und hält fit. Damit lebst du länger.

  • Weshalb der Einkaufswagen kein Krafttraining ersetzt

    Weshalb der Einkaufswagen kein Krafttraining ersetzt

    Neulich stand ich im Drogeriemarkt vor dem Regal mit den Magnesiumpräparaten und dachte: Interessant. Mit zwanzig kaufte ich Lippenstift. Mit dreißig Anti-Falten-Creme. Mit vierzig Nahrungsergänzungsmittel gegen diffuse Erschöpfung. Und jetzt lese ich freiwillig Packungsbeilagen, auf denen „Knochengesundheit“ steht.


    Willkommen in der Lebensphase, in der der Körper plötzlich beginnt, Betriebsversammlungen ohne uns abzuhalten.Ab 50 verändert sich bei Frauen nämlich einiges. Leider nicht nur die Fähigkeit, samstags bis zwei Uhr nachts zu tanzen und sonntags trotzdem frisch auszusehen. Vor allem die Muskulatur verändert sich. Und zwar schneller, als viele denken.


    Der medizinische Begriff dafür lautet Sarkopenie. Klingt wie eine italienische Vorspeise, ist aber der altersbedingte Muskelabbau. Ab etwa dem 30. Lebensjahr verlieren wir schleichend Muskelmasse. Mit den Wechseljahren beschleunigt sich dieser Prozess deutlich, weil der sinkende Östrogenspiegel Einfluss auf Muskeln, Knochen und Stoffwechsel hat.


    Das Gemeine daran: Muskeln verschwinden still. Sie schicken keine Kündigung per Einschreiben. Sie gehen einfach. Erst merkt man, dass die Wasserkiste schwerer wird. Dann, dass man sich beim Aufstehen vom Boden irgendwie „abstützt“. Irgendwann denkt man beim Anblick einer steilen Treppe: Ach, ein Aufzug wäre jetzt emotional wichtig.
    Viele Frauen reagieren darauf mit dem berühmten Satz:
    „Ich müsste eigentlich mal wieder etwas Sport machen.“


    Ein Satz, der oft direkt neben „Nach dem Urlaub fange ich an“ wohnt.Denn natürlich gibt es Gründe. Immer. Keine Zeit. Knie. Wetter. Arbeit. Müdigkeit. Wechseljahre. Der Hund. Der Mann. Die Weltlage. Und überhaupt ist man nach einem langen Tag manchmal schon stolz, wenn man abends noch die Küche aufräumt und nicht einfach daneben liegen bleibt.


    Das Problem ist nur: Unser Körper verhandelt nicht mit Ausreden.


    Muskelmasse ist keine ästhetische Nebensache. Sie ist ein Gesundheitsfaktor. Muskeln stabilisieren Gelenke, schützen vor Stürzen, verbessern die Haltung, unterstützen den Stoffwechsel und helfen sogar dabei, den Blutzucker stabil zu halten. Außerdem sind sie ein entscheidender Schutz gegen Osteoporose.


    Frauen haben nach den Wechseljahren ein deutlich erhöhtes Risiko für Osteoporose, also den Verlust von Knochendichte. Knochen werden poröser und bruchanfälliger. Das passiert lange unbemerkt. Viele erfahren erst davon, wenn etwas bricht.
    Krafttraining wirkt genau hier wie eine Art biologische Erinnerung an den Körper:
    „Hallo, wir brauchen diese Knochen noch.“
    Belastung stärkt Knochen. Muskeln ziehen an den Knochen, der Knochen reagiert darauf mit Aufbauprozessen. Das ist keine Fitnessstudio-Propaganda, sondern gut untersucht. Regelmäßiges Krafttraining kann helfen, Muskelabbau zu verlangsamen, die Knochendichte zu erhalten und das Risiko für Stürze und Frakturen zu senken.
    Und nein: Niemand muss dafür aussehen wie eine russische Kugelstoßerin aus den Achtzigern.
    Dieser Mythos hält sich erstaunlich hartnäckig. Viele Frauen denken bei Krafttraining sofort an Eiweißshakes, Reifen um den Bauch und Männer, die „Bro“ sagen. Dabei geht es in Wahrheit um etwas viel Unromantischeres und gleichzeitig viel Wichtigeres: selbstständig bleiben.
    Die Einkaufstaschen tragen können.
    Ohne Hilfe aus der Badewanne aufstehen.
    Mit siebzig noch reisen.
    Mit achtzig noch Treppen gehen.


    Das Ziel ist nicht der perfekte Po. Das Ziel ist Vitalität und Gesundheit erhalten bis ins hohe Alter. Es ist nie zu spät anzufangen.
    Studien zeigen, dass selbst Menschen mit 70 oder 80 noch Muskulatur aufbauen können. Der Körper reagiert erstaunlich dankbar auf Reize. Zwei- bis dreimal pro Woche moderates Krafttraining reichen oft schon aus, um positive Effekte zu erzielen.
    Das muss nicht einmal ein Fitnessstudio sein. Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, Widerstandsbändern oder kleinen Hanteln sind ein hervorragender Einstieg. Kniebeugen an der Küchenarbeitsplatte. Wandsitz beim Zähneputzen. Hanteltraining vor der Lieblingsserie. Alles zählt.


    Wichtig ist vor allem Regelmäßigkeit.
    Und vielleicht auch ein neuer Blick auf das Thema.
    Denn viele Frauen unserer Generation wurden sozialisiert mit der Idee, möglichst wenig Raum einzunehmen. Schlank sein. Leise sein. Gefällig sein. Kraft war oft eher etwas für Männer.
    Vielleicht ist genau jetzt der Moment gekommen, das zu ändern. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Fürsorge.
    Für den eigenen Körper, der jahrzehntelang funktioniert hat, obwohl wir ihn mit Schlafmangel, Diäten, Stress und schlechtem Bürostuhlmanagement behandelt haben. Vielleicht verdient er jetzt etwas Unterstützung.


    Plötzlich ist Krafttraining am Ende gar nicht nur Training, sondern reine Selbstfürsorge!


    Welche Kraftübungen magst du? Ich empfehle Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht- wie die Liegestütze- der ganze Körper ein einziger Kraftakt! Dazu dann Power Musik und ich fühle mich direkt wie Rocky!

  • Hamsterräder für Menschen: Warum Oma und Opa über Fitnessstudios nur den Kopf geschüttelt hätten

    Hamsterräder für Menschen: Warum Oma und Opa über Fitnessstudios nur den Kopf geschüttelt hätten

    Stellt euch vor, ich hätte meinem Opa vor 35 Jahren erklärt, dass ich monatlich Geld dafür bezahle, um in einem stickigen Raum auf einem Gummiband zu rennen, das sich nicht von der Stelle bewegt. Er hätte wahrscheinlich kurz an seinem Löffel poliert, mich stumm angesehen und sich insgeheim gefragt, ob ich zu viel von den gärenden Falläpfeln genascht hätte.

    In meiner Kindheit auf dem Land ( ich bin Jahrgang 1973 ) war „Bewegung“ kein Termin im Kalender. Es war das Leben selbst. Es gab keine Stepper, es gab Treppen zum Heuboden. Es gab keine Hanteln, es gab Milchkannen und Brennholz.

    Das „Laufband“ war der Acker und Muskeln gab es vom Schubkarren fahren.

    Meine Eltern und Großeltern hätten ein Laufband damals wahrscheinlich für eine neue Art von Förderband zur Getreidereinigung gehalten. Die Idee, sich zu bewegen, ohne dabei eine Arbeit zu verrichten, wäre ihnen völlig absurd vorgekommen.

    Auf dem Bauernhaus war Bewegung immer mit Sinn fürs (Über-) Leben verknüpft:

    • Man rannte nicht, um Kalorien zu verbrennen, sondern weil die Hühner ausgebüxt waren.

    • Man hob keine Gewichte, sondern man „wuppte“ die schweren Jutesäcke mit den Kartoffeln in den Keller.

    • Man machte keine Kniebeugen (Squats!), sondern man bückte sich stundenlang beim Unkrautjäten.

    Das Ergebnis? Sie waren fit. Nicht „Instagram-Model-fit“ mit definierten Bauchmuskeln, sondern „Bauern-stark“. Eine Kraft, die aus den Sehnen kam und ein Leben lang hielt.

    Frische Luft: Das natürliche Antidepressivum

    Heute sprechen wir von „Waldbaden“ als moderne Stressbewältigungsstrategie. Meine Oma hätte dazu nur gesagt: „Kind, geh mal raus an die Luft, du siehst ganz käsig aus.“

    Wenn ich heute Frauen berate, die unter Essanfällen leiden, merke ich oft: Uns fehlt der Sauerstoff. Wir sitzen in klimatisierten Büros, starren auf blaue Bildschirme und wundern uns, warum unser Nervensystem Amok läuft und nach Zucker schreit.

    Früher war die Tür immer offen. Der Wind, der Regen, die Sonne – das alles hat unseren Körper reguliert. Wer den ganzen Tag bei Wind und Wetter draußen war, dessen Körper verlangt abends nach einem ehrlichen Eintopf und nicht nach einer Tüte Gummibärchen aus purer Langeweile oder Frust. Und: Es gab viel weniger industrielle Nahrung!

    Wir müssen ja zum Glück nicht alle zurück auf den ollen Bandscheibenvorfallgenerator namens Traktor, um vital zu sein. Aber wir könnten mit einem neugierigen Blick auf diese selten gewordene Gattung Landeier nach positiven menschlichen Selbstverständlichkeiten Ausschau halten.

    Mein Opa und meine Eltern hätten uns vermutlich ausgelacht, wie wir uns heute abmühen, um „fit“ zu bleiben. Aber sie hätten Mitleid gehabt. Weil wir den Bezug dazu verloren haben, dass Bewegung Freude macht, wenn sie uns mit der Natur verbindet.

    • Vergiss den „Sport-Druck“: Bewegung darf wieder nützlich sein. Geh zu Fuß zum Einkaufen und schlepp die Taschen nach Hause. Das ist dein Training!
    • Raus aus dem Muff: Wenn du merkst, dass der Zucker-Heißhunger kommt, geh vor die Tür. Atme die echte Luft, nicht die aus der Klimaanlage. Dein Gehirn braucht Sauerstoff, um logische Entscheidungen zu treffen.
    • Hör auf zu zählen: Opa hat keine Schritte gezählt. Er hat gearbeitet, bis die Arbeit fertig war, und sich dann zufrieden auf die Bank vor dem Haus gesetzt. Dieses „Ankommen“ nach der Bewegung ist das, was uns heute fehlt.

    Also: Schnapp dir deine Jacke, lass das Laufband links liegen und geh mal eine Runde über ein unebenes Feld. Dein Sättigungsgefühl, deine Nerven und dein „innerer Opa“ werden es dir danken.

    Fazit: Dein Körper will die Welt spüren

    Wie wäre es mit diesen nächsten Schritten? Schreibe mir von deinen Naturwalks!