Kategorie: Ernährung

Gesunde Ernährung wird mit steigendem Alter immer wichtiger.

  • Ich esse viel. Sehr viel. Und nehme trotzdem ab.

    Ich esse viel. Sehr viel. Und nehme trotzdem ab.

    Was passiert, wenn man einfach aufhört, sich zu quälen — und anfängt, richtig zu essen

    Ich quäle mich selbst. Mal wieder.

    Dieses schwere Kreuz, das ich so bereitwillig und so unfassbar schwer trage. Es hat vier Buchstaben. Es lebt. Und es erzeugt — wie ein donnerndes Unwetter, das im Anmarsch ist — eine unheilvoll drohende Angst. Man kann es beim Namen nennen, aber dann macht sich Schwere breit wie bei Lord Voldemort. Also flüstere ich es nur:

    Die Diät.

    Unheilvoll reden meine Gedanken auf mich ein. „Oh Mann, Britta. Wenn du morgen auf die Waage stehst, dann wirst du schockiert sein. So viel wie du wieder gefressen hast.“

    Ich möchte an dieser Stelle kurz einräumen, dass ich 176 Zentimeter groß bin, 50 Kilo wiege und tatsächlich ständig meine, ich müsste Diät halten oder abnehmen.

    Ich bin ein hoffnungsloser Fall.

    Aber ich lerne. Ich lerne, meinen Gedanken keinen Ernst mehr beizumessen. Denn mein Leben ist leider schon nicht mehr so lang — und ich hätte gerne noch etwas mehr Abenteuerleben, bevor ich lebenslänglich Opfer einer Diätkultur werde, die mir einredet, ich sei zu viel.

    Was in den letzten vier Wochen passiert ist

    Kein Alkohol. Der schmeckte mir schlicht nicht mehr — keine heroische Entscheidung, sondern eine ehrliche Beobachtung.

    Keine Süßigkeiten. Kein Eis, keine Schokolade, kein Gebäck. Ich möchte hier transparent sein: Zucker hat für mich Suchtcharakter. Wie Rauschgift. Wie Alkohol. Einmal drin, dreht sich das Karussell. Also: nicht rein.

    Aber — und das ist der entscheidende Teil — ich habe stattdessen sehr viel gegessen. Wirklich viel. Eigenkreationen, die sich kein Diät-Coach ausgedacht hätte:

    Was ich in den letzten vier Wochen gegessen habe — eine persönliche Bestandsaufnahme: Quark mit Eischnee, Banane und Wassermelone — cremig, frisch, sättigend und verdächtig lecker. China-Wokgemüse mit warmer Banane und Melone — ja, wirklich. Ja, warm. Ja, Melone. Es funktioniert.Berge an Salaten. Kartoffeln. Spargel mit Lammfilet.Geflügel, Rind, alles was wächst und schmeckt. Echtes Essen. Kein Diätshake, der außer dem Konto garantiert nichts schmälert.

    Und was ist passiert?

    Ich habe abgenommen. Obwohl ich wirklich viel gegessen habe.

    Verrückt? Nein. Eigentlich ganz logisch.

    Warum das funktioniert — ohne dass man es Diät nennen darf

    Industriezucker und Alkohol haben eine Gemeinsamkeit: Sie liefern Kalorien, die der Körper sofort als Energie verbucht — und wenn er sie nicht braucht, als Fett speichert. Gleichzeitig lösen beide Blutzuckerschwankungen aus, die Hunger erzeugen, obwohl man eigentlich satt ist. Das klassische Karussell.

    Echtes Essen — Gemüse, Proteine, komplexe Kohlenhydrate, gesunde Fette — macht länger satt. Der Blutzucker bleibt stabil. Das Gehirn bekommt, was es braucht. Und der Körper hört auf, nach dem nächsten Zuckerschub zu schreien.

    Das Verrückte: Man isst mehr Volumen — aber weniger von dem, was den Körper durcheinanderbringt. Und fühlt sich dabei besser. Nicht kasteiet. Nicht entzogen. Satt.

    Was wegfällt — und was das im Körper bewirkt:
    Industriezucker: kein Blutzuckerkarussell, kein künstlicher Hunger, kein Energietief nach zwanzig Minuten.
    Alkohol: kein leeres Kaloriengepäck, besserer Schlaf, weniger Cortisol, mehr Energie am Morgen.Fertigprodukte und Diätshakes: kein Chemie-Cocktail, der den Körper verwirrt und das Konto leert.
    Was bleibt: echtes Essen, echtes Sättigungsgefühl, echter Genuss.

    Zucker ist kein Genussmittel — es ist ein Suchtstoff

    Das klingt drastisch. Ich meine es trotzdem so.

    Zucker aktiviert dasselbe Belohnungssystem im Gehirn wie andere Suchtmittel: schnelle Dopaminausschüttung, kurzfristiges Hochgefühl, anschließendes Tief, erneutes Verlangen. Wer schon einmal versucht hat, einfach nur „ein Stück“ Schokolade zu essen und dann bei der halben Tafel aufgehört hat — der weiß, wovon ich rede.

    Das ist keine Charakterschwäche. Das ist Neurobiologie.

    Und deshalb hilft bei mir nur: gar nicht anfangen. Nicht weniger. Nicht manchmal. Nicht „an guten Tagen“. Einfach: nicht.

    Was stattdessen kommt? Der Quark mit Eischnee. Die warme Banane im Wok. Die Wassermelone um zehn Uhr abends, wenn die anderen zur Schokolade greifen würden. Klingt komisch. Schmeckt gut. Und ich wache am nächsten Morgen ohne schlechtes Gewissen auf.

    Intuitives Essen — der schönste Anti-Diät-Plan

    Es hat einen Namen, dieses Prinzip: intuitives Essen. Man isst, wenn man Hunger hat. Man isst, was der Körper wirklich möchte — nicht was der innere Kritiker verbietet oder die Diätindustrie empfiehlt. Man hört auf, wenn man satt ist.

    Klingt einfach. Ist es — sobald man aufgehört hat, dem Zucker das Kommando zu überlassen.

    Denn Zucker überschreibt das intuitive Essen. Er sagt: Mehr. Jetzt. Egal ob satt. Und man hört ihm zu, weil er laut ist.

    Ohne Zucker wird die eigene innere Stimme plötzlich vernehmlicher. Der Körper weiß eigentlich sehr gut, was er braucht — man muss ihm nur zuhören.

    Mein persönliches Fazit nach vier Wochen

    Mein Wohlbefinden ist auf einem hohen Energiezustand. Das ist keine Werbebotschaft. Das ist meine ehrliche Beobachtung.

    Ich esse viel. Ich esse gerne. Ich esse bunt und manchmal absurd — warme Melone, ich stehe dazu. Und ich fühle mich besser als in Wochen, in denen ich mir „erlaubt“ habe, Diät-Schokolade zu naschen und dafür ein schlechtes Gewissen zu pflegen.

    Das schlechte Gewissen verbraucht übrigens auch Energie. Sehr viel sogar. Energie, die man sinnvoller einsetzen könnte.

    Also: Ein Hoch auf Lebensmittel statt Selbstzerstörung.

    Ein Hoch auf den Quark mit Eischnee.

    Und ein großes, herzliches Auf Wiedersehen an Lord Voldemort — die Diät.

    Sie war nie meine Freundin. Ich brauche sie nicht.

    Spüre mal in dich rein, was könntest du mal als exotische Eigenkreation für dich zubereiten? Du wirst überrascht sein, wie lecker experimentelle Gerichte schmecken.

  • „This is Food.“ – Was soll das denn?!

    „This is Food.“ – Was soll das denn?!


    Es gibt Momente, in denen man in einem ganz normalen Drogeriemarkt steht und sich fragt, ob man versehentlich in eine Parallelwelt geraten ist. Eine Welt, in der Flüssigkeiten in Plastikflaschen als Mahlzeiten gelten und Pulver in Tüten das Ende der Kochkunst einläuten.
    Ich wollte Wattepads kaufen. Ich kam mit einer Lebensphilosophie heraus.
    Denn da stand es. Auf einer Flasche mit bräunlicher Flüssigkeit. In großen, selbstbewussten Druckbuchstaben:
    THIS IS FOOD.
    Ich schaute auf die Flasche. Dann nochmal auf die Aufschrift. Dann wieder auf die Flasche.
    Ist es das?

    Oma hätte kurz geschaut – und dann gelacht Meine Großeltern, Jahrgang 1909, haben eine Weltwirtschaftskrise und einen Weltkrieg überlebt. Sie wussten was echter Hunger ist. Sie wussten was echtes Essen ist. Hätte man ihnen diese Flasche gereicht, hätten sie – nach einem kurzen verwunderten Blick – gefragt: „Kind, bist du krank? Soll ich dir eine Suppe kochen?“ Meine Eltern, Jahrgang 1940, hätten schlicht gefragt: „Aber wo ist das Essen?“ Gute Frage. Verdammt gute Frage.

    Der Kilopreis-Moment der Erleuchtung Dann kam mein persönlicher Lieblingsmoment im Supermarkt: der Kilopreisblick. 25 Euro. 35 Euro. Ein besonders ambitioniertes Produkt: 42 Euro pro Kilo. 42 Euro pro Kilo. Für Pulver. Das man in Wasser auflöst. Das nach nichts schmeckt. Das man nicht kauen kann. Das aussieht wie das, was übrig bleibt, wenn man Essen vergisst. Für 42 Euro pro Kilo bekomme ich feinstes Bio-Lamm. Ich kann es anfassen. Daran riechen. Es braten, würzen, schlemmen. Und – revolutionärer Gedanke – ich darf dabei meine Zähne benutzen. Ich musste innerlich lachen. Dieses tiefe, staunende Lachen, das einen überkommt wenn man begreift, dass die Welt vollkommen verrückt geworden ist.

    Mein Rezept für den perfekten Diätshake Ich habe zuhause kurz nachgedacht. Und eine bahnbrechende Erkenntnis gewonnen: Man nehme Naturjoghurt. Verdünne ihn mit etwas Wasser. Gebe einen Spritzer Zitrone dazu. Fertig. Selbstgemachter Shake. Mehr Nährstoffe. Echter Geschmack. Kalorienärmer als das Regalprodukt. Kosten: Etwa 80 Cent. Aber das lässt sich natürlich nicht mit einem englischen Namen versehen, in eine Hochglanzflasche füllen und für 35 Euro pro Kilo verkaufen. Also vergessen wir das schnell wieder.

    Was mein Körper wirklich denkt Ich bin eine Frau über 50. Mein Körper und ich haben eine lange, manchmal turbulente, aber ehrliche Beziehung. Und er hat mir in all den Jahren nie – wirklich nie – gesagt: „Bitte gib mir etwas, das ich nicht kauen muss.“ Denn Kauen ist kein lästiger Zwischenschritt. Kein archaisches Überbleibsel der Evolution, das die Nahrungsmittelindustrie endlich für uns abgeschafft hat. Kauen ist Teil des Essens. Es beginnt die Verdauung. Es gibt dem Gehirn Zeit zu begreifen, dass Nahrung angekommen ist. Das Knacken einer frischen Karotte. Das Zerbeißen von echtem Brot mit echter Kruste. Das langsame, genussvolle Kauen von etwas, das tatsächlich nach etwas schmeckt. Das ist kein Luxus. Das ist Essen.

    Die einfachste Ernährungsregel der Welt Iss Dinge, die aussehen wie das, was sie sind. Dinge, die deine Großmutter erkannt hätte. Dinge, bei denen du kauen darfst – ja, sogar musst. Eine Tomate sieht aus wie eine Tomate. Ein Ei wie ein Ei. Haferflocken wie Haferflocken. Eine braune Flüssigkeit in einer Plastikflasche sieht aus wie… nun ja. Entscheiden Sie selbst. Mein Körper weiß was er bekommt, wenn ich ihm echte Zutaten gebe. Er muss sie nicht erst entschlüsseln. Er kennt sie – seit Jahrtausenden. Kein Körper wurde jemals für Pulver in Plastikflaschen optimiert. Auch meiner nicht. Auch deiner nicht. This is Food? Nein. Das da drüben – das ist Food.

  • Hunger -was Opas Löffel damit verbindet

    Hunger -was Opas Löffel damit verbindet

    Habt ihr euch schon mal gefragt, warum wir heute essen, als müssten wir einen Marathon gewinnen, den wir gar nicht laufen? In meiner Kindheit auf unserem Bauernhof gab es eine Szene, die ich als Kind (bin 73- er Jahrgang) nie verstanden habe: Mein Opa, Jahrgang 1903 zog vor jeder Mahlzeit seinen Löffel aus der Hosentasche, löffelte damit seinen Eintopf- den es unter der Woche bei uns täglich gab- leckte ihn nachdem er satt war blitzblank ab und verstaute ihn wieder sicher am Mann. Als wäre das eine völlig normale Handlung. Wozu sollte man ihn in die Spüle tun?

    Für mich war das einfach eine schräge Opa-Angewohnheit. Hatten die in Russland in der Kriegsgefangenschaft keine Löffel? Ich malte mir in meiner Kinderfantasie aus, dass jeder ein Besteck erhielt, so wie wir Kinder damals zur taufe, dieses personalisierte Kinderbesteckset geschenkt bekamen..
    Heute sehe ich das anders: Dieser Löffel war für ihn das Symbol für Überleben. Wer seinen Löffel hatte, war bereit für die nächste Mahlzeit. Wer keinen hatte, ging leer aus. Der Löffel war die Versicherung gegen den Hunger.

    Den Wert einer Mahlzeit bis zum letzten Tropfen zu spüren.

    Obwohl wir heute im Überfluss leben, tragen viele von uns diesen „unsichtbaren Löffel“ in der Tasche. Wir essen auf Autopilot, wir schaufeln rein, wir haben Angst, nicht genug zu bekommen – oder wir bestrafen uns mit Essen. Wir haben verlernt, was mein Opa trotz (oder gerade wegen) seiner Erlebnisse noch konnte:

    Wie sich „Satt“ früher anfühlte: Auf dem Hof gab es eine natürliche Ordnung des Sattseins, die nichts mit Kalorienzählen zu tun hatte:

    • Essen hatte ein Gesicht: Die Kartoffeln hatten wir selbst aus der Erde gebuddelt. Wer sein Essen persönlich kennt, schlingt nicht so leicht.
    • Satt war nicht „vollgepropft“: Satt bedeutete, genug Kraft für die nächste Schicht im Stall zu haben. Es war ein wohliger Zustand der Energie, kein Koma auf der Couch.
    • Essen hatte eine Zeit: Es wurde gegessen, wenn die Glocke läutete oder die Arbeit getan war. Nicht zwischendurch am Laptop.


    Das Sättigungsgefühl neu finden (ohne Kriegsgefangenschaft)


    Langjährige Diätphasen zerstören unser natürliches Essverhalten zutiefst. Mit dem Heilungsweg muss das Sättigungsgefühl mühsam wiedergefunden werden. Nach Jahren der Extremdiäten unter wohlwollenden Augen unserer Gesellschaft, die Schlankheit als das Schönheitsideal schlechthin favorisiert, fühlte ich mich irgendwie „verbunden“ mit dem offenkundigen Leidensweg meines Opas in Sibirien – immer auf der Suche nach der nächsten „Sicherheit“ in Form von Zucker.
    Was mir geholfen hat, den Autopiloten auszuschalten? Ich habe angefangen, meinen inneren „Opa“ zu beruhigen:

    • „Es ist genug da“: Ich sage mir heute bewusst: Die Vorratskammer ist voll. Ich muss nicht alles jetzt essen. Der Löffel darf in der Schublade bleiben.
    • Das „Ablecken“ zelebrieren: Nicht hektisch die nächste Gabel nachschieben, sondern den Geschmack des letzten Bissen wirklich auskosten. So wie Opa seinen Löffel.
    • Die Arbeit spüren: Wenn ich merke, dass ich nur aus Stress esse, frage ich mich: „Habe ich gerade wirklich Hunger oder brauche ich eigentlich nur eine Pause vom ‚Stall ausmisten‘ des Alltags?“ Das übrigens ist mein totaler Ankerpunkt!


    Opa hat seinen Löffel nie verloren. Und wir sollten unser Gefühl für uns selbst nicht verlieren. Sättigung beginnt im Kopf, wenn die Seele merkt: Ich bin sicher. Es ist genug für alle da.
    Vielleicht probiert ihr es heute mal aus: Legt den Löffel (oder die Gabel) nach jedem zweiten Bissen bewusst hin. Spürt mal rein. Seid ihr schon „hof-satt“ oder esst ihr noch für die „Hungersnot“?

    Was ist deine „Löffel-Geschichte“?
    Gab es in deiner Familie auch diese Macken, die eigentlich tiefe Spuren der Geschichte waren? Und wie merkst du heute, wenn du wirklich satt bist?