Kategorie: Ernährung

Gesunde Ernährung wird mit steigendem Alter immer wichtiger.

  • Hunger -was Opas Löffel damit verbindet

    Hunger -was Opas Löffel damit verbindet

    Habt ihr euch schon mal gefragt, warum wir heute essen, als müssten wir einen Marathon gewinnen, den wir gar nicht laufen? In meiner Kindheit auf unserem Bauernhof gab es eine Szene, die ich als Kind (bin 73- er Jahrgang) nie verstanden habe: Mein Opa, Jahrgang 1903 zog vor jeder Mahlzeit seinen Löffel aus der Hosentasche, löffelte damit seinen Eintopf- den es unter der Woche bei uns täglich gab- leckte ihn nachdem er satt war blitzblank ab und verstaute ihn wieder sicher am Mann. Als wäre das eine völlig normale Handlung. Wozo sollte man ihn in die Spüle tun?

    Für mich war das einfach eine schräge Opa-Angewohnheit. Hatten die in Russland in der Kriegsgefangenschaft keine Löffel? – dachte ich mit meiner naiven Kindersicht. Heute sehe ich das anders: Dieser Löffel war für ihn das Symbol für Überleben. Wer seinen Löffel hatte, war bereit für die nächste Mahlzeit. Wer keinen hatte, ging leer aus. Der Löffel war die Versicherung gegen den Hunger.

    Den Wert einer Mahlzeit bis zum letzten Tropfen zu spüren.

    Obwohl wir heute im Überfluss leben, tragen viele von uns diesen „unsichtbaren Löffel“ in der Tasche. Wir essen auf Autopilot, wir schaufeln rein, wir haben Angst, nicht genug zu bekommen – oder wir bestrafen uns mit Essen. Wir haben verlernt, was mein Opa trotz (oder gerade wegen) seiner Erlebnisse noch konnte:

    Wie sich „Satt“ früher anfühlte: Auf dem Hof gab es eine natürliche Ordnung des Sattseins, die nichts mit Kalorienzählen zu tun hatte:

    • Essen hatte ein Gesicht: Die Kartoffeln hatten wir selbst aus der Erde gebuddelt. Wer sein Essen persönlich kennt, schlingt nicht so leicht.
    • satt war nicht „vollgepropft“: Satt bedeutete, genug Kraft für die nächste Schicht im Stall zu haben. Es war ein wohliger Zustand der Energie, kein Koma auf der Couch.
    • Essen hatte eine Zeit: Es wurde gegessen, wenn die Glocke läutete oder die Arbeit getan war. Nicht zwischendurch am Laptop.


    Das Sättigungsgefühl neu finden (ohne Kriegsgefangenschaft)


    Langjährige Diätphasen zerstören unser natürliches Essverhalten zutiefst. Mit dem Heilungsweg muss das Sättigungsgefühl mühsam wiedergefunden werden. Nach Jahren der Extremdiäten unter wohlwollenden Augen unserer Gesellschaft, die Schlankheit als das Schönheitsideal schlechthin favorisiert, fühlte ich mich irgendwie „verbunden“ mit dem offenkundigen Leidensweg meines Opas in Sibirien – immer auf der Suche nach der nächsten „Sicherheit“ in Form von Zucker.
    Was mir geholfen hat, den Autopiloten auszuschalten? Ich habe angefangen, meinen inneren „Opa“ zu beruhigen:

    • „Es ist genug da“: Ich sage mir heute bewusst: Die Vorratskammer ist voll. Ich muss nicht alles jetzt essen. Der Löffel darf in der Schublade bleiben.
    • Das „Ablecken“ zelebrieren: Nicht hektisch die nächste Gabel nachschieben, sondern den Geschmack des letzten Bissen wirklich auskosten. So wie Opa seinen Löffel.
    • Die Arbeit spüren: Wenn ich merke, dass ich nur aus Stress esse, frage ich mich: „Habe ich gerade wirklich Hunger oder brauche ich eigentlich nur eine Pause vom ‚Stall ausmisten‘ des Alltags?“ Das übrigens ist mein totaler Ankerpunkt!


    Opa hat seinen Löffel nie verloren. Und wir müssen unser Gefühl für uns selbst nicht verlieren. Sättigung beginnt im Kopf, wenn die Seele merkt: Ich bin sicher. Es ist genug für alle da.
    Vielleicht probiert ihr es heute mal aus: Legt den Löffel (oder die Gabel) nach jedem zweiten Bissen bewusst hin. Spürt mal rein. Seid ihr schon „hof-satt“ oder esst ihr noch für die „Hungersnot“?

    💡 Was ist deine „Löffel-Geschichte“? Gab es in deiner Familie auch diese Macken, die eigentlich tiefe Spuren der Geschichte waren? Und wie merkst du heute, wenn du wirklich satt bist?